Studieren in der Corona-Krise

Unsere Erfahrungen und Tipps nach einem Semester

Überforderung und Unsicherheit

Die Präsenzklausur mit Mundschutz in der Hochschule war wirklich ein seltsames Gefühl. Abstandsregelungen, freie Sitzreihen, vor der Klausur kein aufgeregtes Geplapper nur Totenstille. Der Mundschutz gibt das Gefühl, nicht reden zu dürfen. Auch wenn die Maske nur unserem bzw. anderen Schutz dient kann ich mir so recht nicht vorstellen, dass es nächstes Semester so weiter gehen soll.

Online-Gruppenarbeiten = Kommunikationsfail

Die Corona-Krise hat uns mitten im Medienprojekt überrollt und unsere schönen Projektpläne über den Haufen geworfen und uns vor große Umsetzungsherausforderungen gestellt. Die Kommunikation mit den Kommilitonen war ganz anders als sonst. Statt sich jeden Tag in der Hochschule zu begegnen, haben wir öfter die Woche geskypt, gezoomt, geslackt oder gewhatsapped. Die Hürde alles nur noch online, hat nicht nur meinem Laptop sondern auch mir deutlich Akku gezogen. Es war schwer, auch mal „Nein“ zur vierten Konferenz an einem Tag zu sagen, da man ja keine Tankstelle ist, die rund um die Uhr geöffnet hat. Aber diese ständige Erreichbarkeit und der Druck, dass alle Kurse plötzlich alleine bewältigt werden sollen war enorm.

Einige Dozenten haben bei uns Online-Vorlesungen oder zu mindest Besprechungen angeboten um unsere Arbeit zu begleiten. Wieder andere haben ihre Unterlagen hochgeladen und uns selbststudieren lassen. Glücklicherweise war vieles auch alleine machbar, trotzdem habe ich mich oft schlecht betreut gefühlt und hoffe, dass nächstes Semester die Betreuung wieder enger wird und es mehr Platz für Nachfragen gibt. Nicht nur die Studierenden waren schlichtweg überfordert, die Dozenten natürlich auch.

Ich bin dankbar, dass ein paar Dozenten ihre Prüfungsformen auf die neue Situation angepasst haben und wir auch Online-Tests oder Einsendeaufgaben anstatt von Klausuren machen konnten. Wieder andere sind bei ihrer Mundmaske-Vor-Ort-Klausur geblieben, was ich unangemessen fand.

Ich habe in diesem Semester gemerkt, wie bescheuert E-Mail-Verkehr ist und dass man bei offenen Problem lieber einen Anruf tätigen sollte, als fünf E-Mails zu schreiben.

Die große Unsicherheit seit Beginn und mitten in der Krise, dass seitens der Hochschule keine genauen Informationen kamen und auch von Dozenten, empfand ich als Belastung. Natürlich erkenne ich an, dass wir alle überfordert waren, aber mit der digitalen Lehre wurde im Vergleich zu anderen Hochschule spät eingestiegen.

Tipps für eine bessere Gruppenorganisation
  • Missverständnisse vermeiden:
    • Nachfragen, wenn man nicht sicher ist, ob man etwas richtig verstanden hat.
    • Abmachungen schriftlich für alle festhalten.
    • Bauchgefühlen folgen. Kommt dir etwas komisch vor: Klären.
    • Möglichst nicht per Mail kommunizieren. Am besten ist es immer persönlich zu sprechen, z.B. in regelmäßigen Video-Chats oder per Telefon. Wenn das nicht geht, transparente Massenger nutzen, z.B. slack.
  • Andere einbeziehen
    • Egal wie groß die Gruppe ist, Arbeitsteilung muss scharf eingeteilt und kommuniziert sein, ansonsten möglichst viel gemeinsam machen. Gerade wenn es darum geht Ideen zu entwickeln, kreative Prozesse in Gang zu bringen oder Arbeiten zu planen. Alle sollten beteiligt sein, damit alle einverstanden sind und bescheid wissen.
  • Direkt kommunizieren
    • Seid euch bewusst, dass ein Weitergeben von Informationen oder eine Zusammenfassung, so gut sie auch gemeint sein mag, weil der andere dadurch z.B. Zeit spart, immer einen Filter darstellt. Es gehen immer Informationen verloren, wodurch bei anderen vielleicht Fragen oder Missverständnisse entstehen, wodurch die Kommunikation insgesamt wieder komplizierter und zeitaufwändiger werden kann.
Kaum Rücksicht auf unterschiedliche Lerntypen

Ich würde sagen, man kann grob in zwei Lerntypen unterscheiden: die, die lieber selbstständig und ganz in Ruhe für sich lernen, und die, die lieber in den Vorlesungen ganz viel mitschreiben und dadurch den meisten Stoff lernen. Den Selbstlernern wurde es an unserer Hochschule schon im Regelbetrieb oft schwer gemacht von Dozenten, die auf Anwesenheit in ihren Vorlesungen bestanden, obwohl es offiziell keine Anwesenheitspflicht gab. Mit der Einstellung der Präsenzlehre, wurde es dann eher für die andere Seite der Studierendenschaft schwierig. Wer die Vorlesungen braucht, weil er damit den Stoff besser begreifen kann, hatte jetzt eben Pech gehabt. Denn, dass man Vorlesungen ja auch über das Internet halten oder einfach aufzeichnen kann, haben nicht viele Dozenten gecheckt.

Alles in allem war das Einlenken der Lehrenden sehr durchmischt. Von Einfach-die-Folien-aus-der-Präsenzvorlesung-hochladen bis Onlinevorlesungen mit Frage- und Diskussionsrunden war alles dabei. Hauptsächlich war man aber damit beschäftigt erstmal die technischen Möglichkeiten überhaupt zu erkunden, auf Seiten der Dozenten wie auch der Studierenden.

Nur waren die Studierenden da ein bisschen schneller, hatten sich komplett umgestellt und warteten noch darauf, dass die Dozenten nachziehen würden. Leider ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Ich kann wirklich nur hoffen, dass daran im nächsten Semester mal gearbeitet wird.

Mehr Freiheiten

Meiner Meinung nach das Beste im Corona-Semester waren die Freiheiten, die neben den Einschränkungen angenehmerweise noch mit daherkamen. Weil man weniger Rücksicht auf andere nehmen musste, konnte man seinen Tagesablauf freier gestalten, Studienaufgaben dann machen, wenn man wollte und einkaufen, wenn es am leersten war.

Zumindest für mich verkürzte sich zudem der Lernprozess deutlich. Während ich sonst in der Vorlesung immer schön mitgeschrieben, dann zu Hause in der Klausurvorbereitung alles nochmal durchgeschaut, zusammengefasst und gelernt habe, blieb jetzt fast nur noch das Lernen. Es gab kaum noch Unwichtiges, das aussortiert werden musste, sowohl aus den Unterlagen, als auch aus meinem Kopf. Somit entstand dort weniger Chaos und Zeitaufwand, dafür mehr Freiheit.

Im nächsten Semester, das ja auch wieder online stattfinden wird, kommen noch mehr Freiheiten dazu. Wir kennen das System jetzt, können von den Lehrenden dadurch auch mehr erwarten und uns selbst mehr zutrauen. Z.B. werden wir ortsunabhängiger, können uns unsere eigenen Lernumgebungen einrichten, vielleicht sogar im Ausland. Traut euch was!

Tipps für eine bessere Selbstorganisation
  • Tagesablauf: Wenn die Vorlesungen nichts mehr vorgeben, muss man selbst planen. Feste Schlafens-, Essens- und Pausenzeiten helfen die Motivation und Energie im Gleichgewicht zu halten. Dabei muss nicht jeder Tag genau gleich aussehen, man kann auch einen Wochenplan aufstellen.
  • Orte und Tätigkeiten zuordnen: Nach dem Aufstehen den Pyjama ausziehen, nicht im Bett arbeiten, am Schreibtisch ausschließlich arbeiten und für’s Basteln eine extra Ecke abkleben, vielleicht sogar eine Sportecke einrichten. So weiß der Kopf wann welche Tätigkeit dran ist und lässt sich nicht so schnell ablenken.
  • Trello ist DIE Entdeckung für Anna Ente in diesem Semester! Damit lassen sich super übersichtlich alle noch anstehenden Aufgaben organisieren, inklusive Verlinkungen, To-Do-Listen und der Möglichkeit sie mit anderen zu teilen und an unterschiedlichsten Geräten abzurufen.
  • Einmal am Tag rausgehen: Auch, wenn es nur zum Einkaufen ist.
  • Sport: Auch wenn es alleine weniger Spaß macht, braucht der Körper auch ein wenig Übung. Ein paar Minuten täglich können da schon ausreichen, wenn man sie regelmäßig einhält.

Wir hoffen, dass das nächste Semester besser wird und bleiben vorsichtig optimistisch.

Viele Grüße,

Anna Ente & Kreativ-Anna

3 Kommentare zu „Studieren in der Corona-Krise

  1. Nun habe ich es also endlich geschafft, ein Zeichen auf Eurem neuen Blog zu hinterlassen. Ich hoffe, dass Kreativ-Anna meine Mail zwischendurch erhalten hat. Noch einmal: Vielen lieben Dank für die Einladung.

    Mein Studentenleben liegt ja nun schon weit zurück, aber mein Sohn wird demnächst auch zum Studiosus werden.

    Ich hoffe sehr, dass der Studienbetzreib einigermaßen „normal“ ablaufen bzw., dass wenigstens ein angemessener Kontakt zwischen Lehrkräften, Dozenten und Studies realisiert werden kann. – Ich denke, dass das für neu beginnende Studierende essentiell ist.

    Ich selbst arbeite nun seit gut einem an einer kleinen Schule. Da hat Corona auch voll reingehauen. Wir haben versucht, so viel als möglich über Onlineunterricht zu kompensieren. Das hatte so seine Tücken, denn gutes Internet ist woanders als hier. Aber es war schlussendlich doch die beste Variante. Und zum Ende des letzten Schuljahres gab es dann in den Hauptfächern auch einmal wöchentlich Präsensunterricht.

    Was studiert Ihr beiden eigentlich. Wie lange geht Eure Studienzeit noch? Gibt es schon Pläne für danach?

    Liebe Grüße an Euch beide, besondere denn doch noch mal an Kreativ-Anna. Es ist schön, Dich wieder begleiten zu dürfen! 🌻

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo sternfluesterer und herzlich willkommen!
      Es freut mich sehr, dass Du den Weg zu unserem Blog gefunden hast. Vielen Dank auch für deine liebe Email – eine Antwort flattert bald bei Dir ins Haus.

      Die schlaue (Anna) Ente ist vermutlich im nächsten Jahr fertig, ich brauche noch ein wenig länger. 🙂
      Wir studieren Medienwirtschaft & Journalismus. Mit Planungen ist es – dank der aktuellen Situation – nicht ganz so einfach, aber wird schon. 🙂

      Viele liebe Grüße an Dich! Ich komm dich sicher auf deinem Blog auch wieder besuchen!

      Alles Gute bis dahin! 🙂

      Kreativ-Anna
      & natürlich auch Anna Ente

      Liken

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