WG-Leben – Was ich schon so erlebt habe

Zuerst einmal: Ich mag es, wenig Platz zu haben. Aktuell könnte ich mir das Leben in einer 50 oder 60 Quadratmeter großen Wohnung ganz allein gar nicht vorstellen. Das ist mir jetzt einmal mehr bewusst geworden, weil mein Bruder gerade danach sucht. Das wusste ich aber auch schon, als ich vor fast drei Jahren für das Studium umziehen musste. Die Frage, ob ich aus meinem 12 Quadratmeter großen Zimmer bei meinen Eltern in eine um einiges größere Wohnung ganz alleine einziehen wollte, stellte sich für mich gar nicht. Eine WG sollte es sein.

Das Konzept des Teilens bringt oft noch weitere Vorteile (neben dem, dass man sich nicht so verloren fühlt). Man muss weniger putzen, weniger Einrichten, weniger Zahlen. Was man an Zeit und Geld im Haushalt spart, muss dann nur eventuell in Form von Kommunikation und Koordination mit den anderen mehr aufgewendet werden. Macht man eine gemeinsame Haushaltskasse? Von welchem Konto soll die Monatsmiete abgebucht werden? Und bekommt eigentlich jeder seinen eigenen Mietvertrag?

Das, als kleiner Einschub, ist ein wichtiger Punkt, wenn man eine WG gründet oder auch überlegt zu einer bereits bestehenden dazu zu ziehen. Bei Wohngemeinschaft gibt es zwei Möglichkeiten einen Mietvertrag aufzusetzen: Entweder alle Bewohner schließen jeweils einen eigenen, gleichwertigen Mietvertrag mit dem Vermieter oder es gibt einen Hauptmieter und die anderen sind Untermieter dessen. Beide Varianten können funktionieren oder auch Stress bringen. Bei Änderungen im Mietverhältnis wird der Vermieter so oder so informiert. Wenn aber bei der zweiten Variante der Hauptmieter ausziehen will, müssen alle anderen auch einen neuen Vertrag abschließen, wenn sie in der Wohnung wohnen bleiben. Den Vermietern geht es oft darum, dass es einen Hauptverantwortlichen gibt, über dessen Konto die Miete dann auch abgebucht wird und der bürgt, wenn es Probleme gibt. Dazu braucht es allerdings nicht zwingend einen Hauptmieter. Die ganzen Variationen jetzt aufzuzählen, würde etwas den Rahmen sprengen. Wichtig ist vor allem, dass ihr demjenigen Vertraut, von dessen Konto die Miete abgeht. Wenn ihr euch noch nicht so gut kennt, versucht es so zu regeln, dass jeder seine Miete direkt an den Vermieter zahlt.

Jetzt aber weiter im Text. Das Thema Mitbewohner ist sicher auch ein riesiges Fass, dass so viele Fassetten hat, dass man sie gar nicht alle durchblicken kann. Daher hier nur meine Erfahrung und daraus resultierende Einschätzung.

Aktuell wohne ich bereits in der zweiten WG. Als ich nach Wilhelmshaven ziehen wollte, war es schwierig aus dem über 300 km entfernten Krefeld, aus dem ich kam, Besuchstermine zu organisieren und gleichzeitig noch ein Bild von der Stadt zu bekommen. An zwei Wochenenden bin ich dann extra mit meiner Mama hierhergefahren und hatte etwa 5 oder 6 Termine. Nach dem ersten Besuch wurde mir für mein Wunschzimmer abgesagt, weil ich nicht schnell genug war, das Wohnheim, das ich mir angesehen hatte, war leider sehr ungemütlich und im stadtweit für seine WG-Partys bekannten WG-Haus wollte ich dann auch lieber nicht unterkommen. Dementsprechend verzweifelt war ich dann schon beim zweiten Besuch, weil es bis zum Semesterstart auch nur noch ein paar Wochen waren, bei dem ich dann auch direkt als erstes meinen späteren Favoriten besuchte. Umgehauen hat es mich da nicht, aber an den anderen Angeboten an diesem Tag hatte ich ebenso viel auszusetzen, ich hatte hier wenigstens einen Mitbewohner kennengelernt und ich dachte mir, so lange würde ich ja nun auch nicht in der Stadt wohnen (Spoiler: drei ein halb Jahre können echt lang werden).

Ich war dann also ganz happy, die Lage war super und das Studium haute mich eh komplett um im ersten Semester. Ich habe viel Unternommen, war oft unterwegs und von den Jungs (ich wohnte mit zwei Typen zusammen) bekam ich nicht viel mit. Trotzdem kristallisierte sich immer mehr heraus, dass wir eine Zweck-WG waren und sich das in naher Zukunft wahrscheinlich auch nicht ändern würde. Absprachen wurden nicht eingehalten, Ideen, wie man die Wohnung verschönern könnte, wurden zwar aufgenommen, aber nicht weiter verfolgt und Gespräche gingen selten über ein „Hallo“ und „Tschüss“ hinaus. Nach etwa einem Jahr war mir dann klar, dass ich nicht mehr bis zu meinem Praktikum im vierten Semester warten wollte (ich hatte geplant, dieses nicht in Wilhelmshaven zu verbringen, wofür ich dann eh umgezogen wäre), um mir eine neue Unterkunft zu suchen.

Wie das Schicksal es so wollte, spielten zwei Kommilitoninnen (eine ehemalige, eine aktuell) mit dem Gedanken eine WG zu gründen und ich gab ihnen den letzten Stups, indem ich mich ihnen anschloss. Mit der Wohnung hatten wir richtig viel Glück, weil sie super schön ist, von der alten WG aus auch nur die Ecke rum und einer Wohnungsbaugesellschaft gehört. Die kümmern sich super schnell, wenn was nicht in Ordnung ist, und man hat immer einen Ansprechpartner. (Das war mit dem alten Vermieter auch ein bisschen schwierig.)

Hier wohne ich jetzt fast zwei Jahre und denke schon fast mit Wehmut daran, dass ich nächstes Jahr wahrscheinlich ausziehe, wenn mein Studium abgeschlossen ist. Die WG ist einfach so, wie man sich eine typische WG vorstellt: Jeder steuert immer mal wieder was zu Einrichtung bei, damit es gemütlich bleibt, wir kochen zusammen, sitzen abendelang in der Küche und quatschen und mittlerweile gehen wir sogar zusammen zum Sport. Wenn mal jemand zum Arzt muss, wird er kurz mit dem Auto hingefahren, aktuell wird mittwochs abends „Die Bachelorette“ geschaut und einen Teilzeit-WG-Hund haben wir auch, manchmal auch zwei. Vieles davon kommt sicher auch daher, dass wir jetzt drei Mädels sind (ich bin vielleicht auch einfach nicht der Typ, der mit Typen wohnen will), aber geahnt, dass es so gut wird, hätte ich am Anfang auch nicht.

Mein Fazit ist: Du kannst aus einem Kennenlern-Gespräch nicht wissen, ob du mehrere Jahre lang mit den gleichen Nasen zusammenwohnen willst. Daher sollte man immer offen sein und nach potenziellen Mitbewohnern oder WGs Ausschau halten und nicht zögern auch einfach nochmal umzuziehen. Auch wenn das aufwändig ist, was nützt es, wenn man sich in den eigenen vier Wänden nicht wohl fühlt?

Wenn ich nächstes Jahr wieder umziehe, werde ich wahrscheinlich nicht allein in eine Wohnung ziehen. Und wenn doch, dann wird es eine richtig Kleine sein!

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