Traum vom 13.1.21 – Before the Vacation

Morgen fahre ich mit meinen Eltern und meinem Bruder in den Urlaub. Schön in die Bergen, nichts tun, abschalten. Aber fast noch mehr freue ich mich auf die Party, die bei einem Klassenkameraden heute Abend steigt. Spät, versteht sich. Jede Party startet spät, das ist bekannt. Und eigentlich bin ich auch gar nicht der Partytyp, denn ich mag keine laute Musik oder betrunkene Menschen. Aber der Gastgeber ist der Ex-Freund einer guten Freundin und seine Mutter ist Lehrerin. Sie gibt noch einen Kurs heute Abend in ihrem eigenen Klassenzimmer, das sie im Haus eingerichtet hat. Es wird um Philosophie gehen und da wir das in der Schule nie hatten, bin ich sehr gespannt, wie so eine Unterrichtsstunde wohl aussehen wird. Ich hoffe auf anregende Diskussionen.

„Du musst aber noch packen“, sagt meine Mama gerade.

Mein Bruder und ich schauen uns verwundert an. Normalerweise erledigt sie das für uns und liegt uns schon Tage vor Abfahrt in den Ohren, dass wir die Sachen für sie herauslegen sollen, die wir mitnehmen wollen. Dieses Mal ist das wohl anders.

„Ich kann das immer noch machen, wenn ich von der Party zurück bin.“

Ich bin überzeugt, dass ich das schaffen kann. Aber Mama hört gar nicht, was ich sage. Ich sehe nur meinen Bruder, der mich mit gerunzelter Stirn anschaut.

„Wir fahren um vier Uhr morgens los. Willst du nicht noch etwas schlafen vorher?“

„Ich brauche keinen Schlaf… Oder ich kann immer noch im Auto schlafen“, erwidere ich vielleicht etwas zu voreilig. Eigentlich weiß ich auch, dass wir uns beim Fahren abwechseln wollten. Aber dann fällt mir ein: „Das habe ich schonmal gemacht, als wir vor ein paar Jahren in Wien waren.“ Als mein Bruder mich immer noch stirnrunzelt anschaut, jetzt auch noch mit einem Anflug eines schadenfrohen Lächelns auf den Lippen, setze ich noch hinzu: „Da warst du nicht dabei, aber ich war vorher noch arbeiten, bin um zwei Uhr heim gekommen, habe gepackt und um drei sind wir los.“ Das ist die Wahrheit.

„Kann es sein, dass du wegen dieses Typen zu der Party willst? Der aus Beilight?“

„TWILIGHT! Aber er hat sich verändert. Er macht jetzt ganz andere Sachen, du hast ihn doch in Tenet gesehen. Und Batman wird er jetzt auch.“

„Das heißt nichts.“

„Ja, ich muss jetzt auch los.“

Damit ist das Thema erledigt. Und ja, vielleicht ist Robert Pattinson auch ein Grund, warum ich auf diese Party will. Allerdings weiß ich auch, dass ich wahrscheinlich kaum eine Chance auf ein Gespräch mit ihm haben werde, weil genug andere Mädchen um ihn herumschwirren werden, allen voran Bella*.

Photo by Shaun Montero on Unsplash (https://unsplash.com/s/photos/house-party?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText)


Und so ist es auch. Man kann Bella noch zu Gute halten, dass sie mich kurz mit Robert bekannt macht. Denn die beiden scheinen schon länger auf der Party zu sein – Wann ging es nochmal offiziell los? – und haben sich schon eine Weile miteinander unterhalten. Recht schnell bekomme ich dann aber auch Bellas Bruder Jakob* vorgestellt, der mich sehr gekonnt in eine Unterhaltung verwickelt, sodass Bella ihre Ruhe mit Robert hat. Also tue ich es ihr gleich und flirte mit Jakob, wie sie mit Robert, ich weiß nicht wie lange.

Schließlich landen wir alle vier im Pool, wo Bella auf einmal vor Robert niederkniet und ihn fragt, ob er mit ihr zusammen sein will. Ich reagiere schnell und tue es ihr nach, sodass ich Roberts Reaktion nicht mitbekomme. Ich knie also im Wasser und frage Jakob, ob er mein Freund sein will, aber Jakob ist nicht begeistert. Im Gegenteil, er beginnt auf einmal mich aufs Übelste zu beschimpfen.

„Was bildest du dir ein?! Wie kommst du auf die Idee, ich wollte mir dir zusammen sein? Weil ich mit dir geredet habe?“

Photo by Sidekix Media on Unsplash (https://unsplash.com/s/photos/pool-house?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText)

Ich bekomme nicht einmal mit, was eigentlich sein Punkt ist, so auszurasten. So hat noch nie jemand mit mir geredet, aber irgendwie halte ich es aus, einfach dort im Wasser zu knien und abzuwarten, dass er den Pool verlässt und abdampft. Niemand scheint von dem Vorfall etwas mitbekommen zu haben und Bella und Robert sind auch nicht mehr da.

Ich gehe also ins Haus und in der ersten Etage finde ich auch das Klassenzimmer. Es ist schon ziemlich voll und ich suche vergeblich nach einem freien Stuhl. Da steht auch schon die Lehrerin vor der Tafel und beginnt mit ihrer Unterrichtsstunde. Ich sehe einen Tornister, der zwischen den dicht aneinander gerückten Stühlen steht. Ich stelle fest, dass er verstärkt ist, wie die Rucksäcke, die wir in der Grundschule hatten, und ich setze mich dorthin.

Es ist kein optimaler Platz, weil ich kaum etwas sehen kann, da ich recht weit am Boden sitze. Aber ich kann hören, was die Lehrerin erzählt. Sie spricht über Achtsamkeit, Selbstliebe und Ausgeglichenheit im Alltag. Dann fragt sie nach den Erfahrungen der anderen mit Schwierigkeiten im Alltag und ich komme mir vor wie in einer Therapiestunde, nicht wie in einer Unterrichtsstunde. Ich vergesse fast, dass jeder aufgefordert ist, sich zu beteiligen, also auch ich.

Photo by Feliphe Schiarolli on Unsplash (href="https://unsplash.com/s/photos/classroom?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText)

Ich lausche einfach den anderen, bin ganz gedankenversunken, als ich bemerke, dass Ernst*, der Gastgeber, mich von seinem Platz aus anstarrt. Er sieht aus, als wolle er eigentlich aufstehen, aber er scheint Angst zu haben, seinen Platz zu verlieren. Ich lächle ihm zu und schaue dann wieder weg.

Ernst war, wie schon erwähnt, mit einer Freundin zusammen, als wir in der Oberstufe waren. Die beiden lernten sich kennen, als wir zusammen im Theaterkurs waren. Sonst hätten sie sich wahrscheinlich nie getroffen, da er zwei Jahre älter ist und wir nicht sehr viel mit anderen Jahrgängen zu tun hatten. Danach teilten die beiden ihren Freundeskreis und ich war einmal mit eben diesem Silvester feiern, aber sonst hatten wir nicht viel miteinander zu tun. Nach der Trennung der beiden traf ich ihn noch einmal auf einer Ehemaligen-Feier in der Schule, aber danach habe ich ihn nie wieder gesehen.

Während der Stunde, die deutlich länger geht als 45 Minuten, schaue ich immer mal wieder zu Ernst hinüber, der weiter zu mir hinüber schaut. Aber dann ist die Stunde vorbei und die Lehrerin schließt mit den Worten: „Ihr müsst nicht alle euren Stuhl hochstellen, sondern nur die, die in letzter Zeit keinen Stress hatten.“ Obwohl ich noch nicht einmal auf einem Stuhl saß, stelle ich mit Freude zwei hoch. Am Ende stehen allerdings noch erstaunlich viele auf dem Boden. Ernst ist nicht mehr im Raum und auch auf meinem Weg nach draußen, sehe ich ihn nicht. Ich habe erledigt, warum ich hier war, also mache ich mich auf den Heimweg und hoffe, dass ich noch etwas Zeit habe.

Ohne auf die Uhr zu schauen, lege ich mich noch etwas schlafen, werde bald aber wieder wach und beschließe noch ein Bad zu nehmen, bevor wir fahren. Zeitlich geht das genau auf und als wir ins Auto steigen sind meine Haare noch klitschnass. Ob mein Koffer zu diesem Zeitpunkt gepackt ist, weiß ich nicht.

*Name von der Redaktion geändert

Hintergrund:

Findet ihr auch, dass Robert Pattinson unglaublich viele Filme auf einmal macht? Was ist da los?

Und noch ein Gedanke: Habt ihr es schonmal erlebt, dass eine Idealvorstellung, die ihr von einer Person hattet, die ihr gerade mal flüchtig oder gar nicht kanntet, sich bewahrheitet hat? Es ist mir schon öfter passiert, dass ich jemanden kennen gelernt habe, der eine bestimmte Sache gemacht hat, die mich beeindruckt hat. Dann habe ich diese Person länger nicht gesehen, aber ständig daran gedacht, was sie gemacht hat und mir dazu noch tausend andere tolle Dinge ausgemalt, die sie sicher auch gemacht haben muss oder die sie kann. Und wenn wir dann wieder mehr Kontakt hatten und ich sie besser kennen lernte, war ich immer enttäuscht. Mag an mir liegen, aber ist euch das auch mal passiert?

Bis auf das erste, habe ich die Bilder nicht selbst gemacht, sondern von Unsplash.
Danke an Shaun Montero, Sidekix Media und Feliphe Schiarolli.
Der Screenshot mit Roberts Filmen ist von Wikipedia.

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