Über mich und meine Fragen

Ich habe nichts, was ich so richtig gut kann. Ich sehe Menschen, die einer Tätigkeit mit Leidenschaft nachgehen immer mit einem lachenden und einen weinenden Auge zu. Ich freue mich für sie, bewundere sie dafür, dass sie das einzig Wahre für sich gefunden haben, und bemerke schweren Herzens, dass meine eigene Entwicklung so gerade nicht läuft.

Noch dazu bin ich sehr perfektionistisch. Ich stelle sehr hohe Ansprüche an mich selbst, sodass ich Dinge oft gar nicht erst ausprobiere, weil ich ahne, dass ich es ohnehin nicht gut genug machen werde. Woher dieser Druck kommt, kann ich nicht sagen. Meine Mama sagte zu mir letztens, dass ich ja ein Löwe (im Sternzeichen) sei und als solcher stets nach Anerkennung suche. Allerdings bin ich auch introvertiert, ich teile sehr wenig über mich mit, was dazu führt, dass ich keine Reflexion durch andere bezüglich meiner Fähigkeiten und Erfolge erfahre. Die fehlende Anerkennung schmälert wiederum mein Selbstbewusstsein, ich teile weniger mit und der Kreis beginnt von vorne.

Ich schäme mich für dumme Fragen und Fehler. Die erwartete stille Beurteilung durch andere erhöht den selbstgemachten Druck nur noch weiter. Wenn Menschen schlaue Sachen sagen oder besonders gut in etwas sind, werde ich neidisch und fühle mich klein. Ich wäre gerne auch so gut, so erfolgreich in dieser einen bestimmten Sache. Aber ich hatte nie etwas, das mich so sehr interessiert oder sogar gefesselt hat, dass ich so viel Zeit investiert hätte, um so richtig gut darin zu werden.

So vergleiche ich mich also mit Menschen, die etwas haben und können, das ich nicht habe, von dem ich denke, das ich es nicht erreichen kann, und worüber ich mich nicht traue zu Fragen, weil ich nicht offenbaren will, was ich nicht weiß und was ich gerne wüsste.

 Oft.

Aber nicht immer.

Denn immer öfter mache ich den Mund auf, anstatt ihn geschlossen zu halten. Ich verbinde meine Frage mit einem Lächeln, denn dann weiß der/die andere, dass mein Interesse ehrlich ist und freut sich vielleicht sogar, dass er/sie etwas über sich erzählen kann. Nur die weisen Menschen wissen, was sie nicht wissen. War da nicht so was?

Und starke Persönlichkeiten zögern nicht Fragen zu stellen oder um Hilfe zu bitten. Welcher Insta-Post hat mir das nochmal verraten? Es liegt keine Schwäche darin, zuzugeben, dass man etwas nicht weiß oder kann, wenn man einen ehrlichen Willen zeigt es zu lernen. Das lerne ich selbst gerade erst und muss mich ab und zu daran erinnern. Aber dann geht’s. Dann beiße ich die Zähne zusammen und lächle.

Ich werde dieses Jahr 24 Jahre alt, 17 davon habe ich in „Einrichtungen“ (Schule und Uni) verbracht, in denen ich ständig beurteilt wurde, von Gleichaltrigen wie von den Lehrenden, und genügend Gelegenheiten hatte, um mich mit anderen zu vergleichen. Jetzt hocken wir alle seit über einem Jahr zu Hause. Ich habe Ruhe mich mit mir selbst du befassen, anstatt mich mit anderen zu vergleichen. Aber es ist auch schwieriger sich mit anderen auszutauschen, um an Reflexion und Anerkennung zu gelangen.

Aber wenn ich dann frage, meist ohne mir vorher groß Gedanken darüber zu machen, denn so fragt es sich leichter, habe ich in letzter Zeit selten Ablehnung erfahren. Oder eine Verurteilung. Ich bin wie ich bin und ich weiß was ich weiß. Daran kann ich nichts ändern, wenn ich nur meinen Mund halte und versuche nicht aufzufallen. Nur wenn ich aufbreche und loslaufe (und frage), kann ich mehr wissen und lernen, auch über mich selbst, und mehr zu der werden, die ich sein möchte und sollte.

Ich habe nichts, was ich so richtig gut kann. Noch nicht.

Ein Kommentar zu “Über mich und meine Fragen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Migraene Muraene

#menschenmitmigränesindkämpfer

%d Bloggern gefällt das: