In einem Paralleluniversum in den Anfängen von GoT – Traum vom 04.08.16

Im großen Saal werden wichtige Dinge besprochen. Ich verstehe nicht mal die Hälfte davon, weil die Diskussion jetzt schon seit mehreren Stunden andauert, und die Teilnehmer scheinen alle nicht begeistert zu sein, von dieser Dauer. Ich lehne in einer Ecke draußen im Säulengang und blicke verträumt auf die große Eiche, die im Hof steht und deren Krone im warmen Sommerwind hin- und herwiegt. Eigentlich höre ich der Diskussion gar nicht richtig zu, ich lausche vor allem der Stimme des jungen Wolfs.

Eigentlich sollte ich bei seiner Schwester sein und wenn mich jemand fragt, dann war ich das auch und habe sie lediglich in den verworrenen Gängen des Palastes aus den Augen verloren. Niemand wird dies anzweifeln, denn der jüngeren Stark-Tochter ist nicht leicht zu folgen, wenn sie einer Katze oder einem Geist hinterherjagt. Eine Stimme lässt mich aufhorchen, denn sie ist nicht oft zu hören.

„Ich habe meinen orthodoxen Glauben bisher nicht bereut. Im Gegenteil habe ich diesen Fakt um das ein oder andere Mal schon gut gebrauchen können“, sagt Tyrion.

„Dies ist keine leichtfertige Entscheidung. Ich bitte dich, dir dafür die nötige Zeit zu nehmen. Wenn du von allen sieben Königslanden anerkannt werden willst, ist es wichtig, dass sich mit allen Aspekten ihres Königs identifizieren können. Nicht zuletzt mit seiner Religion“, wirft die Hand des Königs mit nachdrücklicher Stimme ein. Der Ton signalisiert Tyrion eindeutig, er solle sich zurück halten.

Ja, das ist in England, aber so ähnlich sah der Hof in meinem Traum aus…

Arya spricht oft davon, dass sie den Gnom nicht leiden kann, weil sie glaubt, er wolle ihrem Vater den Posten als Hand des Königs streitig machen. „Die Hand des zukünftigen Königs“, sage ich dann und sie schaut mich an, als würde sie mich gerne umbringen. Einmal hat sie das tatsächlich versucht, nachdem ich ihr während einer Krankheit Kohlsuppe zu essen gab, die sie nicht leiden konnte. Sobald sie wieder gesund war und wieder Bogenschießen konnte, hat sie auf eine Gelegenheit gewartet, um mit dem Pfeil auf mich zu zielen. Sie ist eine gute Schützin und hätte mich vermutlich auch getroffen, es als Unfall abgetan und vielleicht ein paar Wochen Übungsverbot erhalten.

Aber zu meinem Glück war Arya nie allein auf dem Übungsplatz und als sie den Angriff auf mich versuchte, konnte dieser noch knapp von ihrem ältesten Bruder vereitelt werden, sodass der Pfeil lediglich mein Ohr streifte und eine blutige Spur daran hinterließ. Danach entschuldigte sich der junge Wolf persönlich bei mir für das Verfehlen seiner Schwester, sodass der kurze Gedanke daran, den Hof zu verlassen, schnell wieder verflog. Jetzt, wo wir in der Hauptstadt sind, verbringt die jüngste Stark-Tochter ohnehin die meiste Zeit in den Gängen des Palastes oder bei ihrem Fecht-Lehrer. Für mich bedeutet das, die Freiheit zu gehen, wohin ich will, und das ist meistens dort, wo sich der König des Nordens aufhält.

Auf dem Säulengang sind Schritte zu hören und ich presse mich noch ein wenig enger an die Wand, an der ich lehne. Die Gruppe von Politikern, die an mir vorbeigehen, beachten mich kaum. An der Tür zum Saal empfängt sie Tyrion lauthals mit einer derben Beleidigung, er ist betrunken. Die Männer gehen in den Saal hinein, Rob und sein Vater kommen heraus. Lord Eddard ist schwach auf den Beinen und sein Sohn muss ihn beim Laufen stützen. Zu meinem Glück kommen sie nicht in die Richtung, in der ich noch immer in meiner Nische hocke, sondern gehen in die entgegengesetzte Richtung, sodass ich ihnen unauffällig folgen kann.

Ich weiß, wohin sie gehen, zu einem kleinen Götterhain, die sie sich etwas außerhalb der Stadt auf einem kleinen Hügel eingerichtet haben. Es ist ein sehr schöner Ort und allein der Weg dorthin ist malerisch. Er führt an der Steilküste entlang, durch einen kleinen Buchenwald und mündet schließlich an einer Ansammlung von Felsbrocken, die den Eingang zum Hain bilden. Der Zutritt ist nur der Königsfamilie gestattet, weshalb ich immer draußen warten muss. Aber wenn man auf einen der Steine klettert, kann man einen Blick auf die obersten Äste des Herzbaumes erhaschen.

Photo by K Chessyca on Unsplash

Genau dort lasse ich mich auch heute nieder und genieße die Stille des Waldes. Doch die Stille währt nicht lange, denn kaum habe ich mich auf einen kleinen Felsvorsprung gesetzt, höre ich die Stimme von Lady Catelyn unter mir.

„Anna, bist du das? Wo warst du denn?“

Sie hat noch nicht ganz zu Ende gesprochen, da bin ich bereits den Fels hinuntergeklettert und stehe neben ihr. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals.

„Ich war mit Arya unterwegs, aber dann habe ich sie aus den Augen verloren“, antworte ich und muss mich zwingen der Lady dabei ruhig in die Augen zu schauen. Sie schaut mich nur mit einem wissenden Lächeln an.

„Gehen wir ein Stück?“

Mehr sagt sie nicht, wendet sich nur zum Gehen, den einzigen Weg entlang, der durch dieses Waldstück führt und damit zurück aus eben diesem hinaus. Ich folge ihr dankbar.

Als wir gerade die Baumgrenze erreichen, kreuzt und eine Gruppe von Pilzsammlern. Als sie die Lady von Winterfell erkennen verneigen sie sich mehrmals, flüstern irgendetwas, das ich nicht verstehe, und spucken ihr vor die Füße. Sie rümpft nur die Nase und bedankt sich lächelnd für die Segnung.

Wir laufen an der Steilküste entlang und in der Ferne geht in wunderschönen, bunten Farben die Sonne unter. Davor dampft unermüdlich ein Atomkraftwerk vor sich hin. Lady Stark bleibt stehen, um sich die Szenerie anzuschauen.

„Könntest du ein Foto von mir machen, um diesen Moment festzuhalten?“, fragt sie und hält mir ein Handy hin.

„Aber M’Lady, sollten wir nicht besser einen anderen Hintergrundwählen?“, frage ich verwundert, während ich das Handy entsperre.

„Nein, dieser ist gut.“

In diesem Moment stelle ich fest, dass ich mein eigenes Handy in der Hand halte, aber ich finde die Kamera-App nicht, weil irgendwer meine Einstellungen geändert hat.

Und noch zwei Gedanken dazu:
Warum sieht Königsmund in meinem Traum wie England aus? Oder ist es eine Mischung aus Königsmund und Winterfell? In 2015 im Sommer war ich in England im Urlaub, aber das war zum Zeitpunkt des Traums ja schon über ein Jahr her… Naja.

Zweiter Gedanke: Wie krass ist es, dass ich mich da noch so genau dran erinnere, obwohl das fast 5 Jahre her ist? Dieses Traumtagebuch lohnt einfach. Meine These: Wenn man sich einmal bewusst an einen Traum erinnert hat, vergisst man ihn einfach nicht mehr.

Wie (fast) immer sind die Bilder nicht alle von mir! Danke an Luemen Rutkowski für das Titelbild und K Chessyca und Alina Kompa für die Naturbilder zur Darstellung der Schwaden meines Unterbewusstseins.

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